Neuigkeiten zu unserem Bienenprojekt 2020

Ein Update zu unserer Arbeit für und mit den Bienen

Bienenprojekt

Unsere Bienen haben den Winter wieder im Massif des Maures (Maurengebirge) entlang der Cote d’Azur verbracht. Dort gibt es keine Fröste. Das ist für die Bienen sehr gut, da sie nicht in die Situation kommen, für Wochen oder gar Monate ihre Ausscheidungen einzuhalten. Fast täglich können sie für ihr „Geschäft“ den Bienenstock verlassen. Außerdem startet bereits im Februar die Mimosenblüte, ein reichgedeckter Tisch mit Pollen, welcher den Bienen als Eiweißnahrung dient. Damit werden die Baby-Bienen gefüttert. Eiweiß ist sehr wichtig für die kleinen Bienen. Sobald das Pollenangebot nicht mehr so üppig ist, stoppt die Königin mit der Ei-Ablage da sie weiß, dass die Babys nicht überleben können, wenn sie nicht täglich mit Eiweißnahrung gefüttert werden. Und genau das in der Grund, weshalb wir im Frühjahr nicht so sehr daran interessiert sind, dass die Bienen Honig sammeln, sondern vielmehr, dass die Königin täglich ausreichend Eier legt, damit die kleine Winterkolonie sehr schnell groß und größer wird. Warum?

Es ist die langjährige Erfahrung eines Imkers, genau zu wissen, was in welchem Zeitpunkt zu welchem Zweck zu tun ist. Um Lavendelhonig zu erhalten, muss der Imker ganz andere Vorkehrungen treffen, wie es ein Imker tut, der gemischte Honig aus Feld, Wald und Wiese erhalten möchte. Ich will Dir das jetzt genau erklären.

Wie entsteht Lavendelhonig?

Im Frühjahr brauchen unsere Bienen ein großes Angebot an Pollen und natürlich auch an Nektar sowie Süßwasser in der Nähe. Wofür all das erkläre ich Dir jetzt:

Sobald eine Späher-Biene für Pollen mit kleinen Pollensäckchen an ihren Hinterbeinchen im Frühjahr den Bienenstock erreicht steht fest, die Saison beginnt. Die Königin erwacht aus ihrer Winterruhe. Sie wird geputzt und gefüttert von ihren Königinnen-Mädchen. Sie beginnt Eier zu legen. Jetzt geht das rege Treiben im Bienenstock nach der Winterpause los. Die Wabenkammern müssen vor der Eiablage der Königin gereinigt werden. Dazu desinfizieren Bienen diese Wabenkammern mit Propolis, damit sicher ist, dass kein Bakerium, Virus oder Pilz dort das Ei infizieren kann.

Andere Bienen stehen bereit, sofort Wasser in die Wabenkammer zu füllen, sobald das Ei dort abgelegt wird von der Königin. Die kleinen Bieneneier müssen in Wasser schwimmen, damit sie nicht austrocknen. Sehr wichtig ist es, dass der Bienenstock in der Nähe eines Flusses oder Sees steht. Andere Bienen kommen herbei und füttern die Brut mit Pollen, also Eiweißnahrung. Das sind Ammen-Bienen. Irgendwann wird dann die Wabenkammer geschlossen. Die kleine Biene wird größer und größer, bis sie dann schlüpft.

Noch gibt es Honigvorräte in den Waben vom letzten Jahr. Die Bienen können sich daran laben. Aber langsam muss auch neuer Nektar eingetragen werden, um daraus Honig zu produzieren. Die Königin muss täglich mehrmals gefüttert werden und auch die Bienen benötigen täglich Honig, damit sie Energie für ihre teilweise sehr schwere Arbeit zur Verfügung haben.

Es herrscht jetzt ein sehr geschäftiges Treiben im Bienenstock und jede Biene weiß ganz genau ihre Aufgabe. Wann und zu welchem Zeitpunkt in ihrem ca. 6-wöchigen Leben sie welchen Beruf ausüben darf, muss ihr niemand sagen.

Putzbiene
Ammenbiene
Baubiene
Wachbiene
Sammlerin

Bienenprojekt

Es geht auf die Reise

Bald geht es los durch die Nacht auf Raymonds LKW zu den Hochebenen der Provence an die Lavendelfelder. Und jetzt ist es wichtig, dass wir gesunde Bienen und eine sehr große Kolonie von ca. 50.000 Bienen in jedem Bienenstock haben. Die Königin hat gut gearbeitet, alle Bienen haben ihre Vorbereitungsaufgaben geleistet. Der Tisch an den Lavendelfeldern ist bald reich gedeckt und die Bienen sind ganz wild auf die Leckerei Lavendel. Nun ist die Koloniegröße, also die Anzahl der Bienen im Stock, sehr wichtig. Warum?

Die gezüchteten Lavendelpflanzen in der Provence sind meist Hypride, d.h. es gibt keine Pollen; nur Nektar einzutragen. Die Königin stoppt die Eiablage. Es wird jetzt hautpsächlich Nektar in den Bienenstock eingetragen. Unsere Mädchen arbeiten Tag und Nacht. Am Tag Nektar eintragen, in der Nacht für Air-Condition im Bienenstock sorgen. Warum? In ersten Linie, damit das überschüssige Wasser aus dem Nektar sich verflüchtigt. Lavendelnektar wird mit ca 80 % Wassergehalt in den Bienenstock gebracht und muss bis auf ca. 12 % Wassergehalt gesenkt werden. Die Bienen wissen genau, wann dieser %-Satz erreicht wird. Warum ist das so wichtig den Wassergehalt zu reduzieren? Bei den Außen- und Innentemperaturen würde ein Nektar mit einem hohen Wassergehalt durch die darin enthalten Zuckerarten sofort anfangen zu gären.

Jetzt haben wir zwei Situationen, welche die große Bienenkolonie sehr schnell reduzieren. Einmal die fehlende nächste Generation, welche nicht geboren wird, weil die Königin die Eiablage eingestellt hat. Und zum anderen das schnellere Sterben der fleißigen Arbeiterinnen um etwa 1 Woche eher als normal. Und eine 3. Situation kommt noch dazu, das ist ein Feind der Bienen: Die VaroaMilbe. Die Biene selbst bringt die VaroaMilbe durch das Anfliegen der Nektarblüten mit in den Bienenstock. Die VaroaMilbe sitzt auf der Blüte und lässt sich auf den Rücken der Biene fallen, da sie nicht fliegen kann. Huckepack bringt die Biene den Parasiten mit nach Hause. VaroaMilben sind in etwa wie Zecken. Sie trinken Blut von ihrem Wirt. Aber das ist für unsere Bienen nicht die größte Bedrohung, weil sie gesund und stark sind. Wir glauben, dass Honig einer der besten Krankheitsvorbeuger für Biene und Mensch ist. Unsere Bienen speisen im Winter ihren eigenen Honig mit den über 180 Inhaltsstoffen und bleiben so fit und gesund. Aber was macht die VaroaMilbe sonst noch? Sie legt ihre Eier in der Bienenbrut ab. Das Ei der VaroaMilbe ernährt sich vom Bienenei. Dies bleibt nicht ohne Folgen für unser Bienen-Baby. Oft werden missgebildete Bienen geboren; mit nur einem Flügel oder sonstigen Missbildungen. Diese Baby-Bienen überleben nicht. Nun – die VaroaMilbe sorgt für ein optimales Überleben ihrer Art. So geht Natur. Die Biene ist bemüht, nach der Lavendelernte sofort wieder dafür zu sorgen, dass irgendwo um den Bienenstock herum Pollen gefunden werden. Sobald Pollen im Bienenstock landen, beginnt unsere Königin wieder mit der Eiablage, damit die fehlenden Bienen durch Geburtenrückgang und frühzeitigen Tod schnell ersetzt werden. Diese Chance nutzt die VaroaMilbe für ihre Brut.

Nur durch ein Reduzieren der Eiablage der VaroaMilbe kann größerer Schaden im Bienenstock vermieden werden.

Alles in der Natur muss eine Balance behalten. Immer ist ein Überleben abhängig von einem anderen Leben. Einzugreifen hat Konsequenzen, über die man Bescheid wissen muss.

Ein Imker muss die Natur und seine Zusammenhänge in seiner Umgebung genau kennen, damit er optimal für seine Bienen sorgen kann. Immer wieder sieht man grobe Imkerfehler wegen Unwissen und fehlender Erfahrung. Das hat natürlich unmittelbare Folgen. Das fast 40 jährige Wissen von Raymond schützt unsere Bienen enorm.

Wir sagen Danke unseren Bienen, unserem Imker und Dir als Bienenpatin / Bienenpate.

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